Wettbetrug im Tennis: was Entscheidungen und Berichte belegen
Kurz gesagt
Belegt ist der Fall des österreichischen Spielers Daniel Köllerer: 2011 lebenslang gesperrt, 2012 vom Court of Arbitration for Sport (CAS) bestätigt. Ein von den Tennisverbänden eingesetztes Gremium schrieb 2018, Tennis eigne sich für Manipulation zu Wettzwecken, und für solche Fälle gibt es eigene Verfahren. Ich gebe die englischsprachigen Quellen dazu auf Deutsch sinngemäß wieder und zeige, was die Berichte belegen. Lesen Sie die Details zur Entscheidung im Fall Köllerer.
Wie wurde im Fall Köllerer entschieden?
Am 31.05.2011 befand der Anti-Corruption Hearing Officer des Tennis-Antikorruptionsprogramms Daniel Köllerer des versuchten Match-Fixings für schuldig. In seiner Begründung schreibt er, die Regeln sähen anders als bei Doping keine einheitlichen Pflichtstrafen vor. Lebenslange Sperren müssten in den schwersten Fällen verhängt werden, und es sei schwer vorstellbar, dass ein Verstoß im Zusammenhang mit Spielmanipulation je geringfügig sein könne.
Der CAS bestätigte am 23.03.2012 die lebenslange Sperre: Köllerer darf an keiner Veranstaltung mehr teilnehmen, die von ATP, WTA, ITF oder dem Grand Slam Committee veranstaltet oder genehmigt wird. Die Geldstrafe von 100.000 US-Dollar hob der CAS auf, insbesondere weil der Spieler aus keinem der Vorwürfe, für die er verantwortlich gemacht wurde, finanziell profitiert habe.
31.05.2011lebenslange Sperre durch den Anti-Corruption Hearing OfficerFinal Decision, veröffentlicht von der ITIA
23.03.2012Sperre vom CAS bestätigtCAS, Pressemitteilung
100.000 $Geldstrafe vom CAS aufgehobenCAS, Pressemitteilung
Warum gilt Tennis als anfällig?
ATP, WTA, ITF und das Grand Slam Board setzten ein Independent Review Panel ein, das sich mit Wetten und anderen Integritätsfragen im Tennis befassen sollte. Im Zwischenbericht vom 25.04.2018 schreibt das Gremium: Die Art des Spiels eigne sich für Manipulation zu Wettzwecken. Es gebe viele Wettmöglichkeiten, nur ein Spieler müsse handeln, und die Entdeckung sei schwierig, auch weil es bei vielen Spielen der unteren Ebenen keine Zuschauer und keine ausreichenden Einrichtungen gebe, um Spieler vor Bestechern zu schützen.
Ein Ermittler der Tennis Integrity Unit beschrieb das Ausmaß bei einigen Turnieren der unteren Ebenen laut Bericht als „tsunami“. Für die höheren Ebenen, also Tour-Turniere und Grand Slams, hat das Gremium nach eigener Aussage kein weit verbreitetes Problem festgestellt, es gebe dort aber Hinweise auf einzelne Probleme.
Wie sieht ein aktueller Fall aus?
Die International Tennis Integrity Agency (ITIA) meldete am 19.05.2026, sie habe sechs Spieler und einen Trainer wegen Verstößen gegen die Antikorruptionsregeln des Tennis gesperrt. Einer der Fälle: ein 24-jähriger Spieler aus China, gesperrt für sechs Jahre und mit 25.000 $ Geldstrafe belegt, für elf Verstöße. Dazu zählen laut ITIA die Manipulation von drei Spielen in den Jahren 2024 und 2025 und die Weigerung, an einer Ermittlung mitzuwirken, indem er Beweise vernichtete.
Frühere Angaben auf dieser Seite
Ein älterer Artikel auf dieser Seite nannte weitere Spieler, Zahlen zu Sperren und Aussagen bekannter Profis. Für diese Angaben habe ich keine Entscheidung und keine amtliche Veröffentlichung gefunden. Sie stehen deshalb nicht mehr hier.
Wo lässt sich ein Verdacht melden?
Für Hinweise auf manipulierte Wettbewerbe gibt es in Deutschland die „Meldestelle Sportmanipulation“. Was das Strafgesetzbuch zu Sportwettbetrug sagt, steht auf der Seite Wettbetrug: Formen, Fälle, Folgen.